Auch in Auschwitz scheint die Sonne – Verarbeiten

IMG_2155Denn es ist nicht nur eine Gedenkstätte. Es gibt genauso den Ort, nach dem die Lager benannt sind. Und doch ist es ein Kontrast im Kopf, an einem Ort zu stehen, den man nur in schwarz-weiß kennt. Es ist so farbig. Und dadurch hat es mich noch viel mehr mitgenommen. Es ist alles so real, alles aus dem „echten Leben“ heraus. Die zuvor herrschende Distanz, sie ist plötzlich weg und ich stehe direkt am Ort. Gehe über den echten Boden und stehe in der echten Baracke. Die Zäune, die Schienen. Echt. Nicht mehr nur schwarz-weiße Bilder im Kopf. Es sind Orte, an denen ich jetzt war, die ich erlebt habe, wie sie heute noch stehen. Nie zuvor waren mir die Ausmaße derart bewusst, doch gibt sich mir nichts klarer. Das Fragen nach dem Warum, ich kann sie mir nicht einmal mehr selbst stellen, sie bliebe auf Ewig unbeantwortet. Es ist kein Ort für beantwortete Fragen, es ist ein Ort der Erfahrungen, die eine ganz persönliche Auseinandersetzung von mir fordern. Mit der Art und Weise, wie ich es wahrnehme und wie ich es verarbeite.
Schon nach kurzer Zeit auf dem Gelände hat sich so viel begonnen zu ändern, meine Versuche, zu begreifen und mich auseinander zu setzen, aber auch das Bild, das ich bis jetzt von diesem Kapitel Geschichte hatte – es hat enorm an Plastizität gewonnen, die Geschichte greift in meine Gegenwart ein und prägt sie offensichtlich wie nie zuvor.

Bild: Ein Apfelbaum auf dem Gelände der Gedenkstätte Auschwitz-II-Birkenau

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