2018 oder: Schon wieder ein Jahr

Hilfe, schon wieder ist ein Jahr fast zu Ende und ehrlich gesagt ist hier nicht viel passiert, obwohl sonst viel los war. Punkt Nummer eins der Liste von Vorsätzen, die ich über die Jahre hinweg verschleppe. Aber vielleicht wird es ja 2019 dann mal was, es sind nämlich nicht die Ideen, die fehlen würden.
Genug des Geplänkels, jetzt erstmal 2018 in 24 Bildern, zwei pro Monat. 24, weil ein Tag ja auch 24 Stunden hat und so. Nein. Weiter reduzieren war nicht drin. Der Text ist mehr ein Nebenbeigeplänkel, weder vollständig, noch von besonderer Qualität. Für das volle Erlebnis aber bitte die Musik aufdrehen.

Januar: Die Klappe halten und wichtige Dinge in Hamburg lassen

Das Jahr durfte langsam anfangen, leise, liebevoll und mit einer Woche Verzögerung. Über den Jahreswechsel zehn Tage in einer der Lieblingsstädte kontempliert, gelaufen, das erste Lied des Jahres am offenen Fenster mit Blick auf städtische Geschäftigkeit gehört und mich dem Prozess auch in zehn Bildern angenähert haben. Es hätte nicht besser beginnen können.

 

Und dann war natürlich sehr schnell wieder Normalbetriebsmodus zwischen Uni inklusive Hauptseminar in einem Kloster im tiefsten Nirgendwo, aber mit Tagungshauskatze und natürlich diverse andere Kleinigkeiten.

Ende Januar ging es dann für einen Fotojob nach Hamburg. Ich kam zurück, mein Rucksack mit Kamera, Laptop, Kalender, Notizbuch und Co. blieb dort und ist bis heute ungesehen. Wenigstens konnte ich im Nachtzug auch ohne physisch vorhandenes Ticket mitfahren, aber unterm Strich war es die wohl beschissenste Nacht des Jahres. Zwar schläfert das Ruckeln irgendwann auch die traurigste Seele ein, aber mit dem Fehlen so vieler wichtiger Dinge wankte mehr. Der Iranurlaub – lang geplant und noch länger erseht – schien passé.

Kurzum: Mit wundervollem Anauf gegen die garstige Wand. Muss nicht nochmal.

Februar: Geprüftes, mal wieder NRW und Rettungsaktionen

Prüfungszeit und dementsprechend war erstmal wenig Euphorie, eher Nacharbeiten von Skriptverlusten unter Zeitdruck. Irgendwie ging es und nach der letzten Prüfung, deren Vorbereitung mich meine Studienwahl nochmal ernsthaft überdenken ließ, auch sofort in den Zug Richtung Dortmund. Kongressfotos und ein paar Menschen aus dem Münsteraner Leben wiedersehen. Erkenntnis: Für begrenzte Zeiten ist es dort oben auch im Winter ganz schön, der Umzug war trotzdem die richtige Entscheidung. Ansonsten war es ein irgendwie diffuser Monat, in dem eine neue Kamera Einzug hielt (dank unendlich schnellem Support aus der Familie. Dankbarkeit für ein Netz, das verlässlich auffängt). Und dann natürlich die Iransache. Eigentlich hätte es am 28.2. losgehen sollen. Ging es aber nicht, sondern erst im März. Auch nur, weil mich Freund*innen bei einem Abendessen über alle Maßen überrascht hatten. Held*innen, die diesem Jahr einen rettenden Tritt gegeben haben.

 

Fazit: Es geht voran. Auch, was die Zeit in Zügen betrifft.

März: Abreisezeit zwischen Wien und Iran

In Geburtstagsdingen mal wieder in Wien gealandet und dort innerlich beschlossen, dass ich, wenn ein Jahr und ein Tag (weil es so poetisch-pathetisch klingt) vergangen sind, dort leben werde. Die üblichen Dinge in dieser Stadt getan, viele Museen, viel Literatur, Raucherbeisln und noch mehr Kaffee. Irgendwann um diese Zeit herum habe ich trotzdem eine Bewerbung abgeschickt, die mich kurz vor dem Abflug in den Iran noch nach Frankfurt fahren lassen sollte. Von einem Tag auf den anderen waren die Wien-Pläne umgeschmissen und ich hatte einen Job in Frankfurt. Mit dem Gefühl, zu wissen, wie es aus längere Sicht weitergehen sollte konnte ich also in den Iran. Endlich. Ankommen in Teheran und die Sehnsucht für drei Wochen von der Leine lassen, asu Versehen Paragliden lernen, auf fremden Böden schlafen und Ostern mit Lagerfeuer und Schwarztee am Meer verbringen. Die Zeit dort ist aber irgendwie immer noch nicht erzählreif.

Also: Geht doch.

April: Immer noch Iran

Den halben April war ich noch im Iran unterwegs, dann aber schon auf den etwas ausgetretenen und nicht weniger schönen Routen. Noch mehr Menschen, mit denen ich unglaublich gerne mehr Zeit verbracht hätte. Aber auch das ist noch nicht wirklich erzählreif. In aller Freude und Verwirrung, die Teheran auch auslösen kann, hing mein Herz aber plötzlich auch mit einem großen Schreck in Münster und bei denen, die dort leben. Große Frage: Was und wo ist eigentlich noch sicher? Der Rest des Monats war irgendwie viel Rückkehrblues in Kombination mit der Feststellung, dass die Sehnsucht eher gefestigt als befriedet ist. Dazu ein bisschen Ferienende und Warmlaufen für die Arbeit, die im Mai beginnen sollte.

In drei Worten: Sehnsucht, du Biest.

 

Mai: Ein halber Ärmel eine Rückkehr auf Zeit mit Fremdeln und Protest

Der Monat begann mit der Fertigstellung meines großen Tattoos. Wir hatten ja schon seit dem letzten Jahr Zeit, uns Schritt für Schritt aneinander zu gewöhnen. Ein letztes Mal fluchen, dass ich es unbedingt auch auf der Innenseite haben wollte und ein letztes Mal feinsäuberlich in Folie verpackt werden. Gut Ding will Weile und so. Langsam fing aber auch Frankfurt an, seinen Schatten vorauszuwerfen: Einige Zugfahrten in die Stadt, in die ich wenige Monate später ziehen sollte und erste Streifzüge durch sie und meinen neuen Arbeitsplatz. Den Schritt aus dem reinen Freelancerinnendasein gewagt zu haben fühlte sich gut, sicherer und planbarer an, war (und ist) aber doch eine Umstellung. Über Regensburg ging es dann Richtung Münster auf den Katholik*innentag. Viel Wiedersehensfreude, rote Glitzerslipper aus Protest, der ewige Struggle mit dem Wetter und viel Zeit auf der schönsten Dachterasse der Stadt. Der Rest wird wohl nicht mehr meine Welt werden.

Also: Es geht voran.

Juni: Laute U-Bahnen und die Frühsommerträgheit

In Arbeitsdingen einen Abstecher nach Paris gemacht, die Stadt der Liebe sehr ignatianisch und in den wohl lautesten U-Bahnen der Welt kennengelernt. Eine dieser Städte, die ich wohl von mir aus nicht so schnell besucht hätte, ohne zu wissen, was ich verpasst hätte. Ansonsten war viel Frühsommerträgheit zwischen Garten, See und Museen mit liebem Besuch. Beim Besuch in der alten Schule bemerkt, dass es jetzt schon/erst drei Jahre sind und ich mich in alter Umgebung auch ganz anders bewege. Ob ich will oder nicht.

 

Fazit: Warteschleife in der Wärme.

Juli: Musik, Musik und Grantln

Viele schöne Konzerte besucht und mir damit die Prüfungszeit versüßt, gelernt, dass selbst mein glückliches Singledasein anfragbar ist, wenn ich umgeben von lauter Paaren zu softer Musik wippe. 80 Jahre Opa mit der ganzen Familie im Garten gefeiert und bis in die Nacht die Geschichten von Früher gehört. Außerdem schien der Juli irgendwie der Monat unangebrachter Kommentare zu meinem Aussehen zu sein, besonders roter Lippenstift scheint da eine ganz dankbare Steilvorlage zu sein. Herzlichen Dank für die Möglichkeit, mal wieder richtig ranten zu können. Nebenbei nahm ein Herzensprojekt Fahrt auf und ich war dadurch an einem Ort zu Gast, den ich wohl sonst nie gefunden hätte. Aber dazu mehr im neuen Jahr. Für das Monatsende ging es sehnsuchtsbedingt mal wieder nach Berlin – Entspannend unspektakulär, endlich richtig warm und ein angenehmer Kontrast, sich hier gefühlt viel unkommentierter durch den öffentlichen Raum bewegen zu können.

In drei Worten: This is my happy face but please don’t mess with me.

August: Klappe halten und überrennen

Irgendwie stellt sich bei mir nach einem halben Jahr ohne konzentrierte Stille immer das Bedürfnis ein, mal wieder ein paar Tage in und mit ihr zu haben. Also habe ich mich ihr in der Augusthitze ausgesetzt, lag nebenbei viel im Wald in der Hängematte und versuchte bei Sitzen, mich nicht von Schweißtropfen oder meinen üblichen Gedanken und Marotten ablenken oder wahnsinnig machen zu lassen. Funktioniert mal besser und mal schlechter, aber auch dafür liebe ich diese Zeiten. Dazu kam noch die große Freude, einige Menschen wiederzusehen, mit denen ich letztes Jahr am selben Ort geschwiegen habe. Überschwängliche Begrüßungsszenen und viel Vertrautheit dort oben im fränkischen Nirgendwo. Leider habe ich das im restlichen August dann viel zu sehr überrant, da es ansonsten ein ziemlich voller Monat war. Aber ich hoffe, dass ich es irgendwann mal lernen werde, die Stille auch im Alltag näher bei mir zu halten. Was war sonst? Viel in Arbeitsdingen und mit dem Herzensprojekt zu tun gehabt und im Museum über den Abbau einer unglaublich kleinteiligen Installation gestaunt – War auch Kunst.

Insgesamt: Langsamer und leiser, bitte.

September: Geburtstagsdinge und Umzugsvorbereitungen

Im September steht bei mir immer dieses „Huh-schon-wieder-ein-Jahr“-Gefühl an, meinen Geburtstag feiere ich trotzdem immer gerne bei meinen Eltern zu Hause. Auch eine dieser Konstanten. Ansonsten war es an der Zeit, von München langsam Abschied zu nehmen. Ich habe es gerne getan, aber auch in dem Wissen, dass ich diese Stadt und die Wege, die ich in ihr so angenehm routiniert (vielleicht auch vertarut) gehe, schon bald auch wieder vermissen würde. Auch die Fortführung meines Alltags in Frankfurt pirschte sich im September immer deutlicher an: Ich hatte eine WG gefunden, verbrachte die erste Nacht in ihr und begann mit dem Gedankenexperiment, meinen Krempel dort unterzubringen, ohne zu viel Beweungsfläche zuzubauen. Außerdem durfte ich für einen Nachmittag in die Lebenswelt älterer katholischer Frauen eintauchen, habe mich manchmal sehr wohl, aber wie es in diesem Kontext für mich eben immer ist, fremd gefühlt. Nichts neues, eher ein Begleitsympotm seit Jahren. Mit einem erneuten Abstecher nach Berlin begann dann mein Umzug auf Raten – Den ersten Teil meines Krempels habe ich schneckengleich auf dem Rücken einmal durchs halbe Land gekarrt. Aber was solls.

Also: Übergangsmonat

Oktober: Chemitzer Irritationen, Ohai Frankfurt und etwas weniger Tempo

Anfang Oktober verschlug es mich nach Chemnitz, wo ich eine Woche lang Teil der Ökumenischen Jury auf dem internationalen Kinder- und Jugendfilmfestival Schlingel war. Die Umstellung von der normalen Gelegenheitskinokonsumentin zur Dame mit dem kritischen Blick war leichter als gedacht und irgendwie gehe ich seitdem exponentiell öfter ins Kino. Abseites von diesem erfreulichen Anlass hat mich Chemnitz aber leider eher verstört, besonders als am dritten Oktober eine  angsteinflößende Menge Nazis ihre Banner unter Karl Marx’ Kopf schwenkte. Ich würde gerne über die große, positive Überraschung schreiben, aber die gab es schlichtweg nicht. Und dann war endlich Umzug angesagt. Die erste Woche nur mit Minimalausstattung aus dem Rucksack gemeistert, gemerkt, wie wenig ich eigentlich brauche, nur um sieben Tage später doch den Papa samt Transporter auf die Autobahn zu bitten. Ausmisten wäre angesagt, aber bei der großen Menge an Büchern bringe ich es einfach nicht übers Herz.

Weil die Vormonate so schnell, manchmal zu dicht und gehetzt waren, nahm ich mir in Frankfurt Zeit. Zeit zum Ankommen und Einräumen, die Stadt erlaufen und erfühlen, das Dazwischen wahrnehmen und die Unidinge lieber langsam und mit freiem Kopf angehen. 

Kurzum: Alles hat seine Zeit und manchmal merke sogar ich das.

November: Winterschlaf, bist du es?

 Der November, der zweite Februar, nur mit weniger Matsch. Für meine Befindlichkeiten eigentlich immer der ultimative Unmonat, aber in diesem Jahr war es nur halb so schlimm. Vielleicht auch, weil langsam Routinen sichtbar wurden, selbst wenn es sich dabei nur um die Einhaltung eines Stundenplanes oder das Auswenigkönnen des Straßenbahnfahrplans handelte. Ich hatte viel Besuch von meinen vorherigen Stationen und leente Frankfurt einfach besser kennen. Mehr wäre aber auch kaum drin gewesen, langsam machte sich das Jahr bemerkbar.

Also: No drama.

Dezember: Großes, kleinteiliges Finale

Der Dezember hatte es in sich. Noch mehr Besuch, etwas Gefühlschaos und viel Strecke. Ganz besonders war das Wochenende zwischen Kassel und Königsmünster – Viel echter Advent und ein quasi Exerzitium auf der Straße. Ich bin tatsächlich bis kurz vor Weihnachten in Frankfurt geblieben, habe dort oft die unvernünftige Option als die richtige erlebt und trotzdem auf die Feiertage hingefiebert. Irgendwann muss auch mal Pause sein und dann war sie plötzlich da. Familienzeit mit Christbaum, der jedes Jahr der schönste von allen ist, viel gutes Essen und eine Weihnachtspredigt, die den ganzen Monat Revue passieren lassen half. Unerwartet bin ich zum krönenden Abschluss auf dem 35C3 gelandet und habe zwischen tausend blinkenden Lichtern durchweg neugierige, herzliche und faszinierende Menschen kennengelernt, statt mich wie sonst üblich in die Stille zurückzuziehen. Es hätte nicht besser passen können.

Kurzum: Das wars dann wohl, 2018. Wir haben uns gegenseitig echt etwas abgerungen. Danke dafür. Nicht nur dir, liebes Jahr, sondern allen Begleiter*innen, Gäst*innen, Gastgeber*innen, Konstanten, mahnenden Stimmen, Quälgeistern, Nervensägen, Überraschungsbesuchen mitten in der Nacht und alten Bekannten. Ich hab euch lieb.

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