Wie Rohrpost zwischen Städten


Zuggedanken während einer Heimfahrt. Mal wieder. Aber solange die Ideen nachts und unterwegs nur so sprudeln, gibt es eben Zuggedanken. Münster, der Ruhrpott durch Zugfenster mit Regenflecken. Hallenskelette und grauer Himmel. Die Zeit tröpfelt genüsslich vor sich hin auf Wegstücken, die mir vom Zug aus gesehen noch unbekannt sind. Umstieg Düsseldorf. Pelzkrägige Geschäftigkeit und eine bekannte Route zur Weiterfahrt: Köln-Deutz, Dom aus der Ferne. Montabaur, gelbes Schlösschen auf einem Hügel. Kilometer für Kilometer werden es mehr Hügel. Im ICE die gewohnte Wärme eines Zuges im Winter, sich in den Sitz falten, wenige Mitreisende. Ikea zieht mehrmals vorbei, abgewechselt durch Bäume. Blätterlos im Regen. Freu dich nicht zu früh auf den Sommer, schon wieder. Schwarzer Kies auf dem Bahndamm. Es sind Landschaften ohne Eigenschaften, die diese Zugstrecke umgeben. Transitstrecken, die sich von Norden nach Süden ziehen – Rohrpost zwischen Städten, die als groß genug für einen ICE-Halt gelten. Selbstverständnis als irgendeine Botschaft, mich selbst von zu Hause heimschickend.

Die Telefonate, die in Zügen geführt werden unterscheiden sich meist nur durch die Stimmen der Sprechenden. Alles läuft so in seinen geregelten Bahnen, auf Trassen durchs scheinbare Niemandsland.
Und die Zeit, sie hängt dazwischen. Zwischen schon weg und noch nicht da, zwischen ich sollte Unidinge schreiben und ich schaue auf Erdwälle. Vier Stunden, in denen es noch schwebt, vier Stunden nicht weg sein und nicht angekommen sein.

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