Zwanzig Minuten

In Germering am Bahnhof, die S-Bahn habe ich knapp verpasst, gerade will ich mir meine Kopfhörer aufsetzen und die Wartezeit mit Podcasts überbrücken. Irgendein Radiobeitrag, eine „Bilanz“ des letzten Jahres zum Thema Flüchtlinge. Und plötzlich hält mir jemand einen Ausdruck der Apothekenumschau unter die Nase: Der menschliche Körper und seine einzelnen Körperteile in verschiedenen Sprachen beschriftet. Und so werden aus zwanzig langen Minuten des mir die Zeit vertreibens zwanzig Minuten Deutschunterricht, im wahrsten Sinne des Wortes mit Händen und Füßen. Zwanzig Minuten für die Kurzfassung einer Fluchtgeschichte übers Meer und die Körperteile des Menschen. Zwanzig Minuten meiner Zeit, die meinen Alltag plötzlich klein erscheinen lassen. Zwanzig Minuten, mit Händen und Füßen über die Sprachbarriere hinweg.

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