Und doch anders


So wenig weltbewegend das Buchen von Flugtickets auch sein mag, aus dem Kontext heraus gab es dann doch endlich mal wieder den Anstoß für etwas Text. Eigentlich wollte ich, wie schon vor einem Jahr, die Karwoche in Taizé verbringen. Am liebsten in Stille, mit vielen Spaziergängen allein in der wunderschönen Landschaft, drei Mal am Tag gemeinsam beten, die letzten Monate nochmal in Stille an mir vorbeiziehen lassen und mich sammeln. Der letzte Besuch im Oktober ist zwar noch nicht so lange her, aber schön wäre es trotzdem und relativ bequem: Eine klare Tagesstruktur, in die ich mich während der Woche buchstäblich hineinfallen und tragen lassen kann – der Rest ergibt sich erfahrungsgemäß aus dieser Ruhe heraus und ist das, was sich nicht planen lässt.
Letztes Wochenende hatte ich mir alles soweit organisiert und damit meinen Kopf für die Prüfungen wieder ein bisschen freier. Dachte ich. Aber wie es manchmal so ist, tauchen bestimmte Ideen genau in solchen Momenten, wenn das Bekannte, Schöne aber auch Bequeme beschlossen ist, wieder auf. In diesem Fall eine Idee, die ich für die Zeit nach dem Abitur hatte, wenn ich im Sprachkurs keinen Platz bekommen hätte. Zurückgemeldet hat sie sich in veränderter (und realistischerer) Form: Wieso nicht, statt schon wieder nach Frankreich zu fahren, ein Ziel in der entgegengesetzten Himmelsrichtung ins Auge fassen und von dort aus einige Orte besuchen. Völlig angestachelt von einer Idee um 1:30 Uhr Flugtickets buchen, vorher ohne einen Blick auf Wetterkarten und Veranstaltungskalender, nur mit Handgepäck. Jetzt geht es also Mitte März nach Warschau und von dort aus (momentaner Stand der Planung) weiter nach Lublin und Lemberg.

Ich bin froh, wieder vom ausgetretenen Pfad abzukommen, und ein Stück aus dem „Weihwasserbecken“ herauszuspringen, merke ich doch, dass ich bei aller Begeisterung für mein Studium immer wieder an eine Grenze stoße. Ich vermisse die Weite, war nie „nur“ Theologie. Meine Kamera hatte ich seit dem Umzug nur noch spärlich in der Hand, eigentlich fast gar nicht.
Das Fotografieren fehlt mir, das sich durch eine Stadt treiben lassen, ziellos und planlos, das entdeckerische allein sein, auf fremden Sofas und Böden schlafen, mit Händen und Füßen kommunizieren, die Abwechslung, die nichttheologischen Gespräche und Erlebnisse für Text.

Flughafen ich freu‘ mich auf dich.

 

3 Kommentare

  1. Super. Die Entscheidung, und das Schreiben darüber. Der Spannungsaufbau und die Wendung haben mich grad richtig wach gemacht, dabei arbeite ich schon 1,5 Stunden sehr konzentriert. (:
    Ich hoffe, es gibt ein Paar Eindrücke von der Reise zu sehen und zu lesen. Aber wenn nicht: Hauptsache, sie lässt dich lebendig sein.

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