Ein Biest zum Umarmen

Kurz vor knapp. Wie immer eigentlich. Und das wahrscheinlich einzig kontinuierliche, das ich schreibe (abseits von Einkaufszettteln, die ich dann doch vergesse und Unikrempel). Egal. 2016 Klappe die Letzte.

2016 du warst ein Biest. Ein Biest zum Umarmen. Der Blick auf die globale Lage endet für mich zwischen Wut, dem Willen zur Ungläubigkeit, dass das alles wirklich passiert (ist) und der größer werdenden Gewissheit, dass es weder so einfach ist wie gedacht und erhofft. Trotzdem: Kein Bock, mich von der Resignation bestimmen zu lassen. Tag für Tag auf ein Neues. Nicht erst morgen. Meine Angst bekommt ihr nicht, es wäre zu einfach. Ich will die Biester lieber umarmen, ihnen die Auseinandersetzung mit der Liebe zum Menschen nicht ersparen. Es waren Versuche des Hingehen und Sehens in diesem Jahr – besonders Sizilien, aber auch die Demonstrationen und jede (noch so ermüdende) Diskussion.

2016, du Jahr voller Menschen aus dem Internet, die ich in Echt™ kennen lernen durfte. Mit denen ich seitdem viel Zeit verbracht habe, die mich in Richtungen und zu Gedanken geschubst haben, die ich mir nie machen konnte/wollte. Menschen, die mir Text entlockt, Schlafplätze für ein paar Nächte freigeräumt und Mittagspausen geteilt haben. Die mich zum alte Pläne verwirklichen bringen und damit dazu beitragen, dass 2017 jetzt schon ziemlich voll ist mit guten Dingen zum Wachsen und einfach machen.

2016, du hast mich so viel Lernen lassen. Wie das mit dem Hefeteig und den Dampfnudeln geht, Theo-Studiums-Dinge, Unglücklich sein an einem Ort und trotzdem nicht sofort wieder ganz weggehen. Noch nie bin ich so viel unterwegs gewesen wie 2016: München, Wien (immer wieder Wien), Bratislava, Bern, Hamburg, Hannover, Aachen, Berlin, Sizilien. Viele Stunden in Zügen, immer wieder nur weg aus Münster, aber eben noch mit Zurückkommen.

Ich kann zwar immer noch keine Bierflaschen mit dem Feuerzeug öffnen, dafür habe ich es in den letzten Tagen des Jahres doch noch geschafft, auf mich zu hören und bin ein paar Tage abgetaucht und war mal wieder einfach still. Entgegen jeder Stundenplan-Vernunft studiere ich sein Oktober insgesamt drei Fächer in zwei Studiengängen, ich habe der Neugierde und dem Wissensdurst wirklich freien Lauf gelassen, ohne Rücksicht auf Studienordnungen und Studienverlaufspläne. Gleichzeitig war 2016 das gefühlt foto- und blogärmste Jahr, der Vorsatz, eigentlich mehr Wunsch und Notwendigkeit für 2017 ist damit dann wohl auch geklärt.

Einschneidend wie lange nichts mehr waren die drei Wochen auf Sizilien an der europäischen Außengrenze. Die Zeit mit den Geflüchteten und auch das Community-Life. Eine Zeit, über die ich einiges an Textfetzen und Bildern habe, mir aber letztendlich immer wieder die Worte fehlen, die das Erlebte zu fassen vermögen. Vielleicht 2017 dann.

 

Aber eigentlich will ich mich, jetzt kurz vor Schluss, nur in die Arme derer werfen, die mitgegangen sind, mich angestoßen haben, mir auf die Füße getreten sind zur rechten Zeit, die mich Überwindung gelehrt haben, die offene Ohren und Herzen hatten, die befeuert haben, die einfach da waren und in der Umarmung Danke flüstern. Nicht, weil sich floskelige Dankesreden am Schluss gehören, sondern weil es genau das ist, was ich von 2016 behalten und mitnehmen will.

Was auch nicht fehlen darf nach dem ganzen Kitsch: Musik!

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