Die Kapitäne

Es muss jemanden geben, der das Boot aufs Meer hinaus steuert. Diesen einen, diese zwei, die die 100, 120, 150, 200 Menschen von der libyschen Küste aufs Mittelmeer bringen. Sie sitzen alle im gleichen überladenen Boot und einer muss es lenken. Keiner will, die meisten können es eigentlich auch nicht. Aber das hat in Tripoli nicht mehr gezählt. Sie erzählen mir, sie mussten. Sie, die Schlepper, hielten ihnen eine ihrer vielen Waffen in den Rücken. Manchmal brachte man es ihnen bei, wie das Boot aus Fiberglas zu lenken ist. „You have to be fast. Motor full power. Otherwise the boat sinks and they can’t swim“ – Sie erzählen von den Bootsmotoren, die zu schwach sind für die überfüllten Boote. Und irgendwann, für sie haben sich die Stunden auf dem Meer ewig angefühlt, eine nasse, kalte und wilde Hölle, die sich entgegen aller Gesetze von Raum und Zeit ins schier Unendliche ausgedehnt hat, werden sie gerettet. Auf Schiffe und von dort in die Häfen Sizilien. Catania, Pozzallo, Trapani. Europa.

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