Athen mit fremden Augen

Viel habe ich von Athen noch nicht gesehen, zumindest wenn es nach der Anzahl alter Steine, berühmter Museen und Kirchen geht. Stattdesssen wurden mir Augen geliehen, die von Notos, einem fast achtzigjährigen Athener, den ich am Tag zuvor bei meinem Besuch im City Plaza Hotel (anschauen und von zu Hause aus unterstützen oder besser: einfach hinfahren und Zeit mitbringen, um mitzuhelfen) kennengelernt habe. Über zehn Kilometer mit langsamen Schritten, unzählige Häuser und Plätze, an denen er plötzlich innehielt, manchmal einen Zettel aus der Hosentasche zog und anfing zu erzählen. Geschichten aus seiner Stadt, für ihn wichtige Orte – so zum Beispiel ein Keller, in dem es 1962 die einzigen Blue Jeans in ganz Athen zu kaufen gab – oder historische Begebenheiten, verknüpft mit den Bewohner_innen der Häuser, vor denen wir stehen geblieben waren. Es war fast wie ein Adventskalender im Sommer. Hinter der einen Fassade ein paar politische Sätze, hinter der nächsten ein Stück Homer, hinter wieder anderen Literatur. Stundenlang sin wir unter der Sonne Athens spaziert und am Ende waren es meine Füße, die müder waren als seine.

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