Angekommen sein und wieder fahren – Grenzen meiner Sprache

Mit meinem Umzug nach Münster hat hier auf dem Blog unabsichtlich eine Pause begonnen, die ich erst jetzt wieder beende, Einleben braucht in seiner ganzen Breite doch mehr Zeit, als ich zu Beginn gedacht hatte.
Ich bin hier in den letzten Wochen erst wirklich angekommen, habe mich in meinen Tagesablauf eingelebt, aber noch viel wichtiger, ich bin wirklich in einer neuen Gemeinschaft von Menschen angekommen und konnte angefangen, meine Wurzeln hier zu schlagen. Umso schneller ging es mit jedem Päckchen meines Adventskalenders: Das erste Mal zurück nach Germering fahren nach über fünf Monaten steht an. Doch wie nenne ich die beiden Orte, Münster und Germering eigentlich? Was ist „daheim“ und was ist „zuhause“ – ich bin, wie gesagt angekommen in Münster, spreche vom „nach Hause fahren“, wenn ich meine, dass ich mich auf den Weg zurück in meine WG mache. Münster ist mein Zuhause geworden, mit dem Kopfsteinpflaster in der Innenstadt (immer ein Abenteuer beim Radfahren im Regen), den Kirchenglocken, die die Stadt regelmäßig aus allen Himmelsrichtungen beschallen, dem Regen (der übrigens entgegen aller Vorurteile immer wieder von strahlendem Sonnenschein abgelöst wird), meinem Unistundenplan, dem Stammcafé und meinen Freunden. Wo fahre ich dann hin, wenn ich jetzt im Zug nach Germering sitze? Das Theologiestudium zeigt immer wieder Grenzen der Sprache auf, manches, was man ausdrücken will, lässt sich nicht genau genug oder gar nicht in Worte fassen – genau diesem durch die Sprache herausgefordert sein bin ich auch in der Frage nach dem Namen für den Ort, an den ich fahre ausgesetzt. Als „Zuhause“ bezeichne ich, wie eben gesagt, Münster. Am passendsten für Germering ist nach einigem Hin- und Herüberlegen „daheim“. Die Benennung ist keinesfalls eine sprachwissenschaftlich reflektierte, sondern ausschließlich eine „aus dem Bauch heraus“, klingt „daheim“ doch viel mehr nach dem kleinen bisschen Dialekt, das sich in mein Sprechen eingeschlichen hat und an den Ort an dem meine Familie ist, an den Ort, von dem ich Packerl mit Wollsocken und Schokolade oder Katzenvideos geschickt bekomme. An den Ort, in dessen Umkreis so viele Freund_innen und Begleiter_innen leben, die mit mir gemeinsam durch die letzten 18 Jahre gegangen sind und an dem fast jede Ecke mit einer Erinnerung verknüpft ist.
Zwei Orte, an denen und allem, was sie mit sich bringen, ein Stück meines Herzens hängt. Das mich auf den Weg zum Bahnhof machen hat gedauert, die Zeit davor mit zwei sehr guten Freund_innen verbringen bringt das Jahr in Münster genau richtig zum Abschluss. Zum Zug begleitet werden, sich noch einmal in den Arm nehmen und dann aufbrechen können, wohlwissend, dass ich von einem liebgewonnen Ort zum anderen fahre und an beiden Menschen und Erinnerungen habe, die das Ankommen zu einem frohen machen.

 

(Die alten Beiträge werde ich demnächst, einige ausgesuchte ausgenommen, vom Blog nehmen, da sämtliche Bilder leider beim Serverumzug ins Nichts verschwunden sind.)

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